Eine Schneeschuhwanderung in den Schweizer Alpen enthüllt die dramatischen Auswirkungen des Klimawandels auf die majestätischen Gletscher. Während dieser Reise wird nicht nur die Schönheit der schwindenden Eislandschaften erlebt, sondern auch die alarmierende Geschwindigkeit des Gletscherschwunds beleuchtet. Der erfahrene Bergführer Aldo Lomatter teilt seine tiefgehenden Kenntnisse und persönlichen Beobachtungen über die Veränderungen, die er über Jahrzehnte hinweg miterlebt hat. Diese Expedition verdeutlicht die Dringlichkeit, die fragilen Ökosysteme der Alpen zu schützen, und regt zum Nachdenken über die Zukunft unserer Naturlandschaften an.
Die Wanderung beginnt abrupt, als Bergführer Aldo Lomatter ein Absperrseil am Pistenrand hebt und die Gruppe in knietiefem Pulverschnee querfeldein führt. Das Knirschen der Schneeschuhe ersetzt sofort die Bässe des Bergrestaurants. Ein dünnes Seil verbindet die Teilnehmer mit Aldo, der ihnen den Weg "spurt", während er betont, dass das Seil nicht hinterhergezogen werden soll, um im Falle eines Sturzes in eine Gletscherspalte als Bremse zu dienen.
Aldo, ein 72-jähriger Einheimischer, der sein ganzes Leben in der Region verbracht hat, führt die Gruppe an. Er kennt die Gletscherlandschaft wie seine Westentasche. Eine zweite Gruppe folgt ihnen in einigem Abstand, angeführt von einem jüngeren Kollegen, den Aldo an diesem Tag in der Gletschernavigation unterweist. Aldos Wissen über die Gegend ist unübertroffen, und er teilt seine Beobachtungen über die Bewegung des Feegletschers, der sich täglich 30 bis 40 Zentimeter bewegt, was bedeutet, dass die Landschaft ständig in Veränderung begriffen ist.
Die Diskussion über das Schmelzen der Gletscher führt zu Matthias Huss, einem Glaziologen der ETH Zürich. Er erklärt, dass das Abschmelzen der Gletscher zwar ein natürlicher Prozess ist, die derzeitige Geschwindigkeit jedoch beispiellos ist. Huss weist darauf hin, dass in den Schweizer Alpen seit 2015 ein Viertel des Gletschereises verschwunden ist. Selbst bei Erreichen der internationalen Klimaziele könnten 30 Prozent der Gletscher nicht mehr gerettet werden. Obwohl der Feegletscher aufgrund seiner Höhe noch relativ stabil ist, schmilzt auch er kontinuierlich.
Die Wanderung führt durch eine zunehmend zerklüftete Landschaft. Nach etwa einer halben Stunde im Schnee erheben sich massive Eisblöcke und steile Eiswände, die in faszinierenden Blautönen schimmern. Aldo prüft immer wieder die Disziplin der Seilführung, während er geschickt durch den Schnee stochert und seinen jüngeren Kollegen anleitet. Er teilt auch persönliche Anekdoten, wie seine kurze Zeit am Meer, die er als die "schlimmste Zeit seines Lebens" empfand, was seine tiefe Verbundenheit mit den Bergen unterstreicht.
Die scheinbare Wärme der Sonne täuscht über die niedrigen Temperaturen hinweg. Matthias Huss erklärt später, dass die Temperaturen in den Schweizer Alpen in den letzten 75 Jahren um drei bis vier Grad gestiegen sind, was die Gletscher stark belastet. Ein weiterer Faktor ist der Schneemangel, da Schnee im Frühjahr und Sommer die Eisschicht schützt und den Gletscher nährt, wenn er das ganze Jahr über liegen bleibt. Fehlt der Schnee, schmilzt das alte Eis schneller, und es bildet sich kein neues Gletschereis.
Die Wanderung erreicht ihren Höhepunkt, als die Gruppe beeindruckende Séracs, eistürme, passiert. Diese natürlichen Eisskulpturen wirken wie eingefrorene Wellen oder majestätische Obelisken. Nachdem das Band gelöst wurde, mahnt Aldo zur Vorsicht, da der Weg nun entlang eines felsigen Hangs zurückführt. Schließlich erreichen sie die Zivilisation wieder, und die Wanderung endet mit einem spielerischen Rutschen den Hang hinunter. Zurück aus dem "ewigen Eis" wird die Erkenntnis der Vergänglichkeit dieser Naturwunder umso deutlicher.
Matthias Huss erläutert, dass das Schmelzen der Gletscher in den Alpen zwar keine direkte Katastrophe wie in anderen wasserarmen Regionen bedeuten muss, aber die Landschaft in Europa drastisch verändern wird. Der Aletschgletscher, der größte Gletscher der Alpen, wird sich beispielsweise in ein bewaldetes Tal mit einem Gletschersee verwandeln. Der Wintertourismus wird sich ebenfalls anpassen müssen, da der Schnee sich in höhere Lagen zurückzieht, was Winterurlaub exklusiver und teurer machen könnte. Huss betont, dass das von Schnee und Eis geprägte Bild der Alpen zur Nostalgie werden wird, da der Mensch das, was er nicht kennt, auch nicht vermisst.